Logbuch der Freiheit

Liberale Perspektiven – Markt, Moral, und Medien

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Nordkoreas „Black Market Generation“ auf dem Vormarsch

– mit Kapitalismus und Schwarzmarkt gegen die Diktatur.

„Meine Generation – auch Jangmadang genannt – wird den entscheidenden Wandel in Nordkorea herbeiführen.“

Nicht der außenpolitische Druck bereitet dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un momentan Kopfzerbrechen, sondern der Vormarsch des freien Marktes durch eine junge nordkoreanische Bewegung, der „Black Market Generation“ oder auch „Jangmadang-Bewegung“.

Mit dem Schwarzmarkt gegen Hunger und Diktatur – diese Überlebensstrategie war erstmals in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts zu beobachten. Der sozialistische Planungswahn erreichte seinen Höhepunkt: Die Handelsbeziehungen mit den ehemaligen Ostblockstaaten brachen zusammen, die Militärausgaben waren horrend, Überschwemmungen fluteten die Felder und die Produktivität im Agrarsektor war aufgrund planwirtschaftlicher Fehlkalkulationen, fehlendem Dünger und landwirtschaftlichem Gerät  katastrophal. Die Wirtschaftspolitik des Regimes brachte schätzungsweise bis zu 3,5  Millionen Nordkoreanern den qualvollen Hungertod.

Schon damals wollten die Nordkoreaner ihr Leben nicht der Hand des Staates überlassen. Unter dem Radar der politischen Führung etablierte sich ein Schwarzmarkt, der nicht nur Hunderttausende vor dem Tod rettete, sondern auch den Keim der Freiheit vor der Vergessenheit bewahrte. Die Bewohner tauschten, kauften und verkauften notwendige Güter wie Reis oder Kohl, weil die Rationierungen für ein Überleben nicht reichten.

„Jangmadang“, das heißt in Nordkorea Marktplatz. Solche Marktplätze ähnelten in den 90ern weniger den westlich bekannten Märkten, sondern waren vielmehr provisorische Ansammlungen von (meist weiblichen) Nordkoreanern, die hastig ihre Stände auf- und abbauten – der freie Handel stand und steht unter Strafe, im schlimmsten Fall unter Todesstrafe.

"Jangmadang" in den 90ern

„Jangmadang“ in den 90ern

Heute strotzt die kapitalistische Bewegung in Nordkorea vor neuem Selbstbewusstsein. Die Erinnerung an den verstorbenen ideologischen Führer der nordkoranischen Wirtschaftspolitik und Teil der „Juche“-Ideologie (=vollständige Autarkie), nämlich Kim II-sung verblassen.

Besonders chinesische Schmuggler versorgen die junge Generation Nordkoreas heute mit DVDs, CDs, südkoreanischen TV-Kanälen und Filmklassikern wie „Pretty Woman“ oder „Cinderella“. Selbst „WWE wrestling“ steht hoch im Kurs. Kein Wunder also, dass die Kim Jong-un-Propagandaschlacht auf allen TV-Kanälen dagegen eher ein laues Lüftchen ist, wenn man als junge Frau doch vom Prinzessinnenleben träumen kann und merkt, dass selbst einfache Arbeiter in Südkorea im Vergleich zu den nordkoreanischen Parteibonzen ein Leben im Paradies führen.

Marktstand auf einem "Jangmadang"

Marktstand auf einem „Jangmadang“

Ein weiterer Punkt: Der freie Markt ist in Nordkorea längst ein fester Bestandteil des Lebens. So berichtete die „Asia Times“, dass ungefähr 80% des familiären Einkommens in Nordkorea aus Aktivitäten auf dem freien Markt speisen.

Das nordkoreanische Regime baut auf das klassentheoretische „Songbun“-System, das der Regierung erlaubt, über Leben und Tod zu bestimmen und die Güter planwirtschaftlich und nach Klassenzugehörigkeit („Kern-Masse“, „Basis-Masse“, „Problem-Masse“) zu verteilen. Freie Märkte bringen diesen gescheiterten Spagat endgültig zu Fall.

Eine Hoffnungsträgerin und Quelle des anfänglichen Zitats ist Yeon-mi Park. Die geborene Nordkoreanerin beschreibt die „Black Market Generation“ als „individualistisch“ und „kapitalistisch.

Yeon-mi Park hat einen langen Weg hinter sich und große Ziele vor sich:

Yeon-mi Park floh 2007 aus dem totalitären Nordkorea. Nach einem zweijährigen Kraftmarsch mit ihrer Mutter und fünf anderen Flüchtlingen durch China kam sie an der mongolischen Grenze an. Jeder der Flüchtlinge war bereit, sich mit dem eigenen Messer die Pulsadern aufzuschneiden, für den Fall, dass die Grenzer entscheiden sollten, sie zurück nach Nordkorea zu schicken.

Yeon-mi hatte großes Glück. Sie wurde nicht wieder in ihre alte Heimat geschickt, sondern durfte nach Südkorea ausreisen und wurde dort in die Gesellschaft aufgenommen.

Wie viele nordkoreanische Flüchtlinge würde Yeon-mi gerne ihre Heimat wiedersehen. Sie selbst sagt aber, dass sie ihre Füße nur in ein reformiertes Nordkorea setzen würde. Yeon-mi sieht den Wandel schon kommen, allerdings nicht aufgrund internationalen Drucks, sondern Wandel durch Geschehnisse im Inneren dieses verschlossenen Landes.

Heute engagiert sich Yeon-mi für die Liberalisierung Nordkoreas und ist Dauergast in zahlreichen Talkshows. Sie ist das Symbol der kapitalistischen Jugend Nordkoreas und Symbol für den Wandel dieser: Nicht mehr das reine Überleben steht im Fokus der Bemühungen, sondern Wohlstand ist heute das Ziel der „Black Market Generation“.

Am Ende wird auch Kim Jong-un einsehen müssen: Der hungrige Wille nach Wohlstand und Freiheit wird stärker als alle Propagandamaßnahmen sein und letztendlich auch über den Sozialismus triumphieren.

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